Herzzentrum Duisburg

Medizinisches Leistungspektrum

In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie werden jährlich ca. 3400 Herz-Operationen, davon etwa 2000 Operationen mit Einsatz der Herzlungenmaschine, durchgeführt. In diesem Kontext beteiligt sich die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie neben den gesetzlich verpflichtenden Qualitätssicherungsmaßnahmen und in verschiedenen Bereichen an freiwilligen Qualitätsprojekten und wissenschaftlichen Registern.

In der Herzmedizin und somit auch in der Herzchirurgie haben sich in den vergangenen Jahren wesentliche Entwicklungen vollzogen. Dies betrifft nicht nur die Einführung von Innovationen und die Fortschritte durch neue Technologien sondern auch die konsequente Umsetzung von interdisziplinären Herzteams und patientenindividuellen Entscheidungsfindungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Leitlinien und medizinischer Evidenz. Alle herzchirurgischen Eingriffe werden in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, unabhängig von ihrer jeweiligen Komplexität, mit der gebotenen Routine und notwendigen Erfahrung durchgeführt. Die berufsgruppenübergreifende Teamarbeit in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie wie auch die Weiter- und Fortbildung haben auch dazu beigetragen, dass alle aktuellen Operationsverfahren und minimal invasive Techniken jederzeit zum Wohle der Patienten durchgeführt werden können. Mit den vielfältigen Therapiekonzepten werden in abhängig von der zugrunde liegenden Herzerkrankung für die betroffenen Patienten zumeist sehr gute Langzeitergebnisse, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und ein Lebensverlängerung erreicht.

Die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Herzzentrum Duisburg zählt zu herzchirurgischen Abteilungen der Maximalversorgung, die vom Neugeborenen bis zu Erwachsenen jeden Lebensalters das gesamte herzchirurgische Operationsspektrum bei angeborenen und erworbenen Herz- und herznahen Gefäßerkrankungen durchführt.

Zu den operativen Spezialgebieten unseres Herzzentrums zählen derzeit insbesondere folgende Bereiche:

Koronarchirurgie

Die Koronare Herzkrankheit als Erkrankung der Arterien des Herzens ist die häufigste Todesursache in den westlichen Industrieländern. Ablagerungen an den Gefäßwänden (Plaques) verursachen die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und damit Gefäßverengungen (Stenosen) bis hin zu Verschlüssen, welche zu einer Mangelversorgung des Herzens mit Sauerstoff führen. Die Folgen können von der Angina pectoris über Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt reichen.

Das patientenindividuelle Versorgungskonzept der Koronaren Herzkrankheit richtet sich nach unterschiedlichen Vorraussetzungen. Bei komplexen koronaren Mehr-Gefäßerkrankungen und/oder Hauptstammstenose (Verengung der großen Herzkrangefäße im Ursprungsteil) besteht eine klare Indikation für die koronare Bypass-Operation. Dies sowohl bezogen auf die Beschwerdefreiheit und insbesondere auch im Hinblick auf die Überlebensrate und Lebensqualität der betroffenen Patienten.

In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie werden alle Operationsverfahren Maschine der koronaren Bypass-Operation mit oder ohne Anwendung der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Besondere Erfahrungen bestehen auch in der routinierten Versorgung von Patienten mit akutem Herzinfarkt und dessen Folgen.

Herzklappenchirurgie

Aortenklappenerkrankungen

Europaweit gehört die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen, die verschleißbedingt, insbesondere im hohen Lebensalter, auftritt. Daher ist auch die häufigste Herzklappenoperation der Aortenklappenersatz. Die betroffene Aortenklappe ist in den allermeisten Fällen soweit degenerativ verändert und in ihrer Funktion eingeschränkt, dass sie vollständig entfernt und durch eine geeignete Aortenklappenprothese ersetzt werden muss. Bei isolierten Undichtigkeiten der Aortenklappe ohne jegliche Verkalkungen kann diese eventuell erhalten bzw. rekonstruiert werden. Die herzchirurgischen Verfahren, unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, ermöglichen dabei den Ersatz mit einer mechanischen oder Herzklappenprothese, letztere aus tierischem Gewebe gefertigt. Hierbei kommen in Abhängigkeit von patientenindividuellen Vorrausetzungen minimalinvasive Operationstechniken zum Einsatz.

Bei bestimmten Patienten mit Aortenklappenstenosen (hohes Alter, verschiedene Begleiterkrankungen, hohes Eingriffsrisiko) kann heutzutage, als Alternative zum operativen Aortenklappenersatz, die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI = ‚transcatheter aortic valve implantation’) am schlagenden Herzen durchgeführt werden. Nach interdisziplinärer Herzteamberatung am Herzzentrum Duisburg wird den betroffenen Patienten das jeweils individuell geeignete Verfahren empfohlen. Bei der TAVI wird die gefaltete Herzklappenprothese, nach Zerstörung der erkrankten Aortenklappe, zumeist von der Leisteschlagader über die Körperschlagader mit einem speziellen Katheter bis in die richtige Position im Herzen vorgeschoben und freigesetzt.

Mitralklappenerkrankungen

Die Mitralklappe liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Kammer des Herzens. Die Funktion der Mitralklappe kann durch verschiedene Erkrankungen beeinträchtigt sein. Diese Erkrankungen können zur Klappenenge (Stenose) oder zur Klappenundichtigkeit (Insuffizienz) führen. Je nach Ausmaß der Klappenerkrankung äußern sich Symptome, die die Lebensqualität der betroffenen Patienten erheblich beeinträchtigen können. Die häufigsten Symptome sind belastungsabhängige Atemnot, nächtlicher Husten, Verminderung der Belastbarkeit und Herzrhythmusstörung. Die degenerative Mitralklappenerkrankung ist die häufigste Ursache einer Undichtigkeit der Mitralklappe. Diese äußert sich in Form eines sog. Mitralklappenprolapses (Vorfall der Mitralklappensegel)

Meist können Undichtigkeiten der Mitralklappe durch entsprechende herzchirurgische Verfahren rekonstruiert und dadurch vollständig repariert werden. Das Ziel der Rekonstruktion ist die Wiederherstellung der Ventilfunktion der Mitralklappe. Diese hat den Vorteil für den Patienten, dass durch die Rekonstruktion die Geometrie und somit die Pumpleistung des Herzens erhalten bleibt. Der Mitralklappenersatz erfolgt wenn eine Rekonstruktion nicht möglich ist, bspw. bei stark verkalkten oder durch Entzündung zerstörter Mitralklappe. Hierbei wird die Mitralklappe unter Erhaltung des sog. Aufhängeapparates ersetzt, was ebenfalls für die weitgehende Erhaltung der Pumpleistung des linken Herzens beiträgt.

Aortenchirurgie

Bei Erweiterungen der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) im Brustkorb besteht für die betroffenen Patienten die Gefahr einer sog. Zerreißung der Gefäßwand (Ruptur) und / oder Aufspaltung der Wandschichten (Dissektion). Beide Folgen eines Aortenaneurysmas haben für die betroffenen Patienten lebensbedrohliche Folgen. Sofern die unmittelbar aus dem Herzen entspringende Aorta betroffen ist geht die Erkrankung häufiger auch mit einer Undichtigkeit der Aortenklappe einher. Daher muss patientenindiviuell entschieden werden ob der alleinige Ersatz der Hauptschlagader mit einer sog. Rohr-Gefäßprothese erfolgen kann oder ob gleichzeitig auch die Aortenklappe rekonstruiert oder ersetzt werden muss. Die häufigste Rekonstruktionstechnik der Aortenklappe in diesem Zusammenhang ist die nach dem kanadischen Herzchirurgen Tirone David benannte Technik. Wenn die Aortenklappe jedoch zusätzlich degenerativ verändert ist, muss die Aortenklappe mittels Prothese ersetzt werden. Hierbei kommt eine sog. Herzklappentragende Gefäßprothese (sog. Conduit-Ersatz) zur Anwendung.

Sofern die Hauptschlagader in mehreren Abschnitten (aufsteigender und absteigender Anteil im Brustkorb, Bauchraum) erweitert ist, besteht eventuell die Notwendigkeit zu weiteren mehrzeitigen Gefäßeingriffen. Dies kann bspw. die kathetergestützte Implantation einer sog. Endoprothese sein. Die Entscheidung heirzu wird ebenfalls im interdisziplinären Herz-Gefäß-Team erörtert und nach Konsens dem Patienten erläutert.

Chirurgische Therapie von Herzrhythmusstörungen

Die Herzfrequenz wird durch den Impulsgeber (Sinusknoten) des Herzens bestimmt. Über das sog. "Reizleitungssystem" wird der Impuls auf die Herzmuskulatur übertragen. Sind Bildung oder Weiterleitung des Impulses gestört, resultiert ein unregelmäßiger oder zu langsamer Herzschlag, so daß der Kreislauf nicht mehr mit der notwendigen Blutmenge versorgt wird, was zu Leistungsminderung bis hin zu Schwindel- oder Kollapszuständen führen kann.
In der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Herzzentrum Duisburg werden alle derzeit möglichen Herzschrittmacher- sowie Defibrillatoreingriffe durchgeführt. Dies betrifft in erster Linie Neuimplantationen und Aggregatwechsel, aber auch Korrekturen bei Fehlfunktionen sowie komplette Systementfernungen,bei Bedarf  auch mit Eröffnung des Brustkorbes und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Behandelt werden hierbei Patienten aller Altersstufen, d. h. wenige Wochen alte Säuglinge bis Erwachsene im hohen Alter.

Herzschrittmacher-Operationen: Ein Herzschrittmacher ist immer dann notwendig, wenn die Herzschlagfolge verlangsamt oder unregelmäßig und eine medikamentöse Therapie nicht möglich ist. Ein Schrittmachersystem besteht prinzipiell aus zwei "Bauteilen": dem Impulsgeber mit Batterie und Elektronik sowie einer oder mehreren Sonden zum Herzen hin bzw. ins Herz hinein. Moderne Schrittmacher haben heutzutage eine Laufzeit von 8-10 Jahren.
Eine Sonderform der Herzschrittmacher, die sog. "biventrikulären Systeme"  kann bei ausgewählten Patienten mit Störungen der Reizleitung (sog. Linksschenkelblock) die Auswurfleistung des Herzens verbessern.

Defibrillator-Operationen: Bei krankhaften Veränderungen der Reizleitung oder der Herzmuskulatur (z. B. bei Durchblutungsstörungen) kann es zu sehr schnellen Rhythmusstörungen (Herzrasen) oder zu Kammerflimmern, dem „plötzlichen Herztod“  kommen, wobei durch die hohe Frequenz keine ausreichende Füllung der Herzkammern mehr zustande kommt. Daraus resultiert eine zu geringe Auswurfleistung des Herzens, die unter Umständen einen vollständigen Kreislaufzusammenbruch zur Folge hat. Durch einen elektrischen Schock kann ein Defibrillator diese schnelle Herzrhythmusstörung durchbrechen und bei Bedarf auch wie ein Schrittmacher das Herz stimulieren. Auch bei einem Defibrillator besteht die Möglichkeit, beide Herzkammern gleichzeitig zu stimulieren ("biventrikuläre Stimulation"). Die Lebensdauer eines Defibrillatorsystems liegt zwischen 4-8 Jahren.

Prinzipiell haben sowohl Schrittmacher- als auch Defibrillatorsysteme Batterien, da wiederaufladbare Akkus z.Zt. noch nicht über die ausreichende Sicherheit verfügen. Wenn sich im Rahmen der jeweils nötigen Nachuntersuchungen eine Batterieerschöpfung ankündigt, wird das gesamte Aggregat gegen ein neues getauscht.

Chirurgie angeborener Herzfehler im Kindes- und Erwachsenenalter

Herzfehler sind die häufigsten angeborenen Fehlbildungen bei Kindern, ca. 0,8-1,0% der Lebendgeborenen sind davon jährlich in Deutschland betroffen. Aufgrund enormer Fortschritte in der Pränataldiagnostik werden angeborene Herzfehler oft schon vor der Geburt erkannt, weshalb diese Kinder durch eine differenzierte Geburts- und Behandlungsplanung auch bei komplexen Herzfehlbildungen eine deutlich höhere Überlebenschance haben.

Die Chirurgie angeborener Herzfehler hat sich innerhalb des Fachgebiets Herzchirurgie zu einem Spezialbereich entwickelt. In Deutschland führen 25 der 79 herzchirurgischen Kliniken Operationen bei angeborenen Herzfehlern durch. Seit dem Gründungsjahr 1989 sind operative Eingriffe bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern ein fester Bestandteil  am Herzzentrum Duisburg.

Um die schädlichen Auswirkungen und negativen Folgen für die Patienten mit angeborenen Herzfehlern weitestgehend zu vermeiden (z.B. Beeinträchtigung der Herzfunktion und der körperlichen Entwicklung) sollten die Herzfehler möglichst früh diagnostiziert und behandelt werden. Die meisten Herzfehler können oft durch eine Operation korrigiert werden. Sogar minimal-invasive Vorgehensweisen mit sehr kleinen Hautschnitten sind vor allem bei Vorhof-und Hauptkammertrennwanddefekten in der Regel möglich. Herzklappenfehler werden nach Möglichkeit durch Reparatur der erkrankten Herzklappen und durch Ausnutzung des körpereigenen Gewebes auf Dauer haltbar und wachstumsfähig korrigiert. Bei den sogenannten Einkammerherzen, einem auch am Herzzentrum Duisburg etablierten weiteren Spezialgebiet, sind nur sogenannte Palliationsoperationen möglich. Hier erfolgt die Kreislauftrennung im Rahmen von drei Operationsschritten (Shunt- oder Norwood-Operation, Hemifontan- und Fontanoperation). Zwischen den einzelnen Operationsschritten werden die Kinder in der Regel zuhause im Rahmen eines Heimüberwachungsprogramms betreut.

Im Bereich Chirurgie für angeborene Herzfehler (Ltd. Arzt Dr. M. Scheid) der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie (Kom. Leitung Prof. Dr.  A. Lichtenberg) werden alle korrigierenden und palliativen Operationen vom Frühgeborenen über Neugeborene bzw. Säuglinge und Kinder jeden Alters bis ins Erwachsenenalter (Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)) durchgeführt. Die Indikationsstellung und Operationsplanung wird im Herzteam in einer gemeinsamen Konferenz von Kinderkardiologen (Chefarzt PD. Dr. O. Krogmann), ggf. Kardiologen (Chefarzt Prof. Dr. W. Schöls) und Kinderherzchirurgen festgelegt. Die Betreuung während der Operation erfolgt durch in der Kardioanästhesie erfahrene NarkoseärztInnen aus der Zentralen Abteilung für Anästhesiologie (Chefarzt Prof. Dr. R. Scherer). Nach der Operation werden die Kinder auf der Intensivstation der Klinik für Kinderkardiologie/ Angeborene Herzfehler betreut.