Evangelisches Krankenhaus Duisburg-Nord

Erläuterungen häufiger Erkrankungen

Hirntumore

Die Behandlung der Wahl für die meisten Tumoren und Metastasen ist die mikrochirurgische Operation, die unter intraoperativer Neuronavigation durchgeführt wird. Bei Lokalisation des Tumors nahe eines besonders wichtigen Hirnzentrums wird zusätzlich ein intraoperatives Stimulationsmapping durchgeführt. Diese Verfahren ermöglichen die Erkennung der Lokalisation von Bewegungsfunktionen und die Schonung dieses Hirnareales und seiner Verbindungsbahnen. Für die operative Behandlung von hirneigenen Tumoren (Gliomen) verwenden wir zusätzlich die intraoperative Fluoreszenz-Mikrochirurgie (ALA).
Bei hirneigenen Tumoren ( Astrozytom WHO Gr. lll, Glioblastom WHO Gr. iV) kann eine intraoperative Chemotherapie mit Gliadel erfolgen.

Neurochirurgische Operationen bei Hirntumoren werden mikrochirurgisch durchgeführt. Je nach Lokalisation des Tumors stehen hier die Nerunavigation, die intraoperative Bildgebung durch intraoperativen Ultraschall und das intraoperative Monitoring der Hirn- und Nervenfunktion zur Verfügung, um eine möglichst sichere und schonende Entfernung der Tumoren zu erzielen. Bei speziellen Tumorerkrankungen stehen endoskopische Operationsverfahren oder die endoskopisch assistierte Mikrochirurgie zur Verfügung.

In enger fachlicher Kooperation mit anderen Fachabteilungen stehen postoperativ die Chemo- und Strahlentherapie zur Verfügung, wenn nach der Untersuchung des Tumorgewebes eine Nachbehandlung erfolgen sollte. Daneben bietet die Radiochirurgie (Gamma Knife) eine wertvolle schonende und effektive Behandlungsalternative für Metastasen oder bestimmte Hirntumore.

Hypophysentumore

Tumore der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) führen zu hormonellen Störungen und Störungen der Sehkraft und des Gesichtsfeldes. Es gibt hormonproduzierende Tumore (z. B. Prolaktinome), die oft sehr gut medikamentös zu behandeln sind. Bei  anderen Tumoren der Hypophysenregion (z. B. hormoninaktive Tumore) ist eine Operation die Therapie der Wahl. Die Entscheidung, welche Behandlung im Einzellfall sinnvoll ist, wird daher gemeinsam mit der Endokrinologie (Hormonspezialist) getroffen.

Hirngefäßerkrankungen

Hierzu zählt die Behandlung von Aneurysmen, Angiomen und Cavernomen. Bei Hirngefäßaneurysmen wird in enger Zusammenarbeit mit der Zentralen Abteilung für Neuroradiologie, für jeden einzelnen Patienten entschieden, ob eine neurochirurgische (Klippung) oder endovaskuläre Behandlung (Coiling) günstiger ist. Die operative Behandlung erfolgt unter Verwendung der intraoperativen Mikrodopplersonographie und intraoperativem Neuromonitoring zur  Überwachung der Hirnfunktion. Bei Cavernomen und Angiomen kommt zusätzlich die Neuronavigation zur Anwendung, um einen kleinen, zielgerichteten operativen Zugang zu ermöglichen.

Wirbelsäule

Minimal-invasive Operationen von zervikalen, thorakalen und lumbalen Kompressionssyndromen von Rückenmark und Nervenwurzeln, die durch Bandscheibenvorfälle und andere degenerative Erkrankungen verursacht werden. Das Behandlungsziel besteht in einer schonende Operation, einer raschen Erholung, der Erhaltung der normalen Stabilität und Biomechanik sowie der schnellen Rückkehr in das Berufsleben. Dafür stehen endoskopische und mikroskopische Operationsverfahren zur Verfügung. Wir verwenden in Erweiterung der operativen Behandlungsoptionen endoskopische Operationstechniken. In manchen Fällen ist auch die Implantation einer Bandscheibenprothese eine sinnvolle Behandlungsalternative.

Besondere Wirbelsäulenschwerpunkte:
•Endoskopische Bandscheibenoperation
•Bandscheibenprothese

Schädel und Wirbelsäulenverletzungen

Hier werden Folgen traumatischer Schädigungen des Gehirns wie Blutungen, Kontusionen oder Hirnschwellungen behandelt. Wirbelfrakturen werden operativ versorgt und stabilisiert. Behandlungsziel ist die rasche Entlastung von traumatisch bedingten Raumforderungen, die Wiederherstellung biomechanischer und kosmetischer Integrität und die Vermeidung von Langzeitschäden. Bei der Behandlung des Schädel-Hirn-Traumas steht außerdem mit einem hochentwickelten multimodalen Neuromonitoring der Überwachung von lebenswichtigen Funktionen wie des Hirndruckes zur Verfügung. Nach Abschluss der akuten Krankenhausbehandlung wird der Patient in eine Rehabilitationseinrichtung weitergeleitet um eine Wiedereingliederung in das tägliche Leben und den Beruf zu ermöglichen.

Stereotaxie

Für die schonende Gewinnung von Gewebeproben aus dem Gehirn steht ein modernes computerbasiertes Stereotaxiesystem zur Verfügung. Die Operation ist wenig invasiv, so dass über eine nur wenige Millimeter große Schädeleröffnung sehr präzise Gewebeproben aus dem Gehirn entnommen werden können. Bereits wenige Tage nach der Operation liegt die genaue feingewebliche Diagnose vor, so dass schon während des kurzen stationären Aufenthaltes die weiteren Behandlungsmaßnahmen durch ein Team von Spezialisten unterschiedlicher Fachgebiete eingeleitet werden können.

Klinische Neurophysiologie

Die Neurophysiologie untersucht mit elektrophsiologischen Meßmethoden die physiologische Funktion der Nervenbahnen von Gehirn und Rückenmark. Dieses wird in der Funktionsdiagnostik für Erkrankungen des Nervensystems prä- und intraoperativ angewandt.
Die Methodik der evozierten Potentiale beinhaltet die Messung einer zeitlich abhängigen spezifischen Reaktion auf einen gegebenen Reiz (evoziertes Potential). Dazu zählen die visuell evozierten Potentiale (VEP), akustisch evozierten Potentiale (AEP), somatosensibel evozierten Potentiale (SEP) und die motorischen evozierten Potentiale (MEP). Da insbesondere die frühen Evozierten Potentiale robust gegenüber der Bewusstseinslage und pharmakologischen Einflüssen (z. B. Narkose) sind, können diese die klinische Beurteilung und Prognoseeinschätzung von bewusstseinsgestörten Patienten unterstützen.

Intraoperatives Monitoring (IOM)

Bei neurochirurgischen Eingriffen am Gehirn und Rückenmark steht die Erhaltung der neurologischen Funktion im Vordergrund. Aufgabe der intraoperativen Monitorings ist es, mit Hilfe der kontinuierlichen Ableitung von EEG, SEP, AEP und/oder MEP, sowie den Verfahren direkter Stimulation von Nervengewebe während operativer Eingriffe die Funktionen von Hirngebieten und Nervenbahnen zu überwachen. Diese kontinuierliche Messung erlaubt eine Überwachung von möglicherweise gefährdeten Hirn- und Nervenstrukturen. Damit kann der Operateur bei bereits geringen Veränderungen der Messungen das operative Vorgehen anpassen und so die Nervenfunktion erhalten. Dazu zählen insbesondere Operationen in der Zentral- und Inselregion, an der Schädelbasis, am Hirnstamm, im Kleinhirnbrückenwinkel und am Rückenmark.

Trigeminusneuralgie

Die Ursache der Trigeminusneuralgie ist in den meisten Fällen eine Störung der Nervenscheide unmittelbar am Hirnstamm, so dass die normalen Nervenimpulse z.B. beim Essen, Kauen, Lachen oder bei Zugluft und der Berührung durch Kleidungsstücke unmittelbar auf die Schmerzfasern überspringen und den gefürchteten einschießenden Gesichtsschmerz verursachen. In der Entstehung der Trigeminusneuralgie spielt fast immer die Dauerpulsation eine Rolle, die von einer Gefäßschlinge auf den Gesichtsnerven übertragen werden. Deshalb ist die mikrochirurgische Behandlung, die in einer Verlagerung dieser Gefäßschlinge vom Nerven weg besteht, so erfolgreich. Sie sollte die Behandlung der ersten Wahl sein, wenn Medikamente zu Nebenwirkungen führen oder durch die hohe Dosis zu negativen Auswirkungen auf das tägliche Leben führen. Die Operation ist wenig belastend und kann daher auch bei älteren Patienten durchgeführt werden.

Periphere Nerven

Hier werden vor allem Kompressionssyndrome (Carpaltunnelsyndrom oder CTS; Sulcus Nervi ulnaris Syndrom oder SNUS), aber auch Tumore oder Verletzungsfolgen operativ mikrochirurgisch behandelt. Die Breite der Eingriffe reicht von minimal invasiven Nervenentlastungen bis zu komplexen Nervenersatzoperationen.

Hydrocephalus

Für die Behandlung von Patienten mit Störungen der Nervenwasserzirkulation (Hydrocephalus) stehen sowohl endoskopische Verfahren als auch Ventiloperationen zur Verfügung. Die Art des Ventils kann sowohl Implantate mit fester als auch mit verstellbarer Druckstufe beinhalten. Besondere Aufmerksamkeit wird der Erkennung des behandelbaren Hirnleistungsabbaus (Demenz) – dem Normaldruckhydrozephalus – gewidmet. Hier werden in Kooperation mit der Klinik für Neurologie besondere Testverfahren angewendet, um herauszufinden, welcher Patient erfolgreich mit einer Ventiloperation behandelt werden kann. Patienten mit einer Aquaeductstenose können fast immer über einen kleinen endoskopischen Zugang behandelt werden.