Operative Konzepte zur Gewichtsreduktion

Für wen ?

Für die medizinische Entscheidung, ob das verstellbare Magenband eine geeignete Methode für Sie ist, werden folgende Kriterien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft beurteilt:

  • Sie sind zwischen 18 und 65 Jahre alt.
  • Ihr BMI ist größer als 40
  • Ihr BMI ist größer als 35 und Sie leiden an Gesundheitsproblemen, die mit schwerem Übergewicht verbunden sind  z.B. Diabetes, Gelenkprobleme, Herzprobleme oder Schnarchen mit regelmäßigem Aussetzen der Atmung (Schlafapnoe).
  • Sie leiden seit über 5 Jahren an Übergewicht.
  • Sie haben bereits ernsthaft versucht abzunehmen, möglicherweise mit Erfolg, aber Sie konnten das reduzierte Gewicht nicht halten.
  • Sie haben keine andere Krankheit, die für das Übergewicht verantwortlich sein könnte.
  • Sie sind bereit, Ihre Eß- und Lebensgewohnheiten drastisch zu ändern und sich auch weiterhin von dem behandelnden Facharzt überwachen zu lassen.
  • Es liegt kein übermäßiger Alkoholkonsum vor. Sie nehmen keine „bewusstseinserweiternden“ Substanzen.

 

Operationen 

Es gibt mehrere Arten von Operationen: die Verkürzung und/oder Reduzierung der Resorptionslänge des Verdauungstraktes. Ziel ist, die Menge und Ausnutzung der Nahrung im Körper einzuschränken.

  • Magenbypassoperation mit Magentasche (Pouch) und teilweiser Dünndarmauschaltung (Bypass)
  • Magenschlauchbildung (Sleeve-Resektion)

Diese Operationen werden mit der Schlüsselloch-Technik oder als offene Operation (seltener notwendig) mit langem Bauchschnitt durchgeführt.

  • Magenband (justierbar)

Verstellbares Magenband, das mit Schlüsselloch-Technik eingesetzt wird.

 

Magenbypass

Beschreibung:

Mit einer Klammernaht wird eine kleine Tasche (Pouch) im oberen Magen geschaffen, die die zuführbare Nahrungsmenge begrenzt. Ein Teil des Dünndarms wird mit einem Bypass überbrückt, wodurch sich die Nahrung erst später mit den Verdauungssäften vermischen kann, sodass eine vollständige Kalorienabsorption verhindert wird.

Ergebnisse:

Ein Jahr nach der Operation verlieren unsere Patienten etwa 60 – 70% an Übergewicht. Studien zeigen, dass ein Übergewichtsverlust von 60% auch nach 10 – 15 Jahren nachhaltig wahrscheinlich ist. Adipositasbedingte Gesundheitsprobleme wie Rückenschmerzen, Schlafapnoe, Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ II bessern sich deutlich oder können vollständig geheilt werden. In den meisten Fällen berichten Patienten von einem Völlegefühl in Kombination mit einem Gefühl der Zufriedenheit, das den Essdrang verringert.

Risiken:

Alle größeren operativen Eingriffe bergen gewisse Risiken. Zusätzlich sind speziell bei diesem Verfahren folgende Risiken und Kriterien zu beachten:

  • Schlechtere Aufnahme von Eisen, Kalzium und Spurenelementen
  • mögliche chronische Blutarmut aufgrund eines Vitamin B – 12 – Mangels
  • Aufdehnung der Magentasche
  • Der ausgeschaltete Restmagen, der Zwölffingerdarm und Segmente des Dünndarms sind auf Röntgenbildern oder endoskopisch nur schwer oder gar nicht erreichbar bzw. darstellbar.

Magenschlauch (Sleeve)

Erste Ergebnisse mit dieser Operationstechnik sind sehr erfolgversprechend besonders als Ersteingriff bei sehr ausgeprägter Adipositas mit hoher Komorbidität und bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms.

Technik: per Laparoskopie wird ein großer Teil der großen Magenkurve entfernt (mehr als 500ml Volumen) und dadurch ein langer Magenschlauch gebildet (Sleeve). Insbesondere durch die weitgehende Entfernung des Magenfundus (Eingangsbereich des Magens) wird die Ausschüttung von Botenstoffen begrenzt, die ein Hungergefühl erzeugen können.

Ergebnisse: der Eingriff ist in der Regel weniger eingreifend als ein Magenbypass. Wir haben sehr zufriedenstellende Ergebnisse in der Gewichtsreduktion und besonders bei der Beherrschung der Komorbidität (bessere Einstellung des Diabetes, Einfluss auf eine Insulinresistenz) gefunden.

Vorteile/Risiken: Zwar wird ein großer Teil des Magens entfernt, es bleibt aber die Möglichkeit, den Magen zu spiegeln, die Speisepassage ist nicht beeinflusst. Es ist bei Bedarf gut möglich, den Sleeve-Magen in einen Magenbypass umzuwandeln. Der Sleeve-Magen erfordert eine sehr gute Mitarbeit des Patienten, die Essgewohnheiten müssen genau auf die Operationsmethode abgestimmt werden. In der Frühphase nach der Operation besteht die Gefahr der Nahtruptur.

 

Magenband

Ein von außen verstellbares Band verengt den Magen knapp unterhalb der Speiseröhre, reduziert so die Magenkapazität und schränkt die Nahrungsaufnahme entscheidend ein. Es entsteht ein kleiner Vormagen, der sich schnell füllt. Der gefüllte Magen funkt ein Signal zum Gehirn, das ein Sättigungsgefühl vermittelt.

Das Magenband kann auf Grund seiner Eigenschaften ein Leben lang im Körper des Patienten verbleiben. Es ist jedoch möglich, das Band wieder zu entfernen.

Die Verkleinerung des Magens ist eine „technische Essbremse“. Das Magenband macht es unmöglich, weiterhin so viel zu essen wie vorher. Dennoch gelangt die Nahrung auf normalem Weg in den Körper. Verwertung und Verdauung der Nahrung finden auf natürlichem Wege statt. Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass sich ein sogenanntes „schwedisches Magenband“ problemlos mit der Schlüsselloch-Technik einsetzen lässt.

Der Patient hat nur wenige kleine Schnitte, kaum Schmerzen, kann zügig wieder aufstehen und das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen.

Von allen Operationen zur Reduzierung des Magenvolumens ist das „schwedische Magenband“ am risikoärmsten. Der Magen wird nicht durchtrennt oder abgeklammert. Da das Band mit der Schlüsselloch-Chirurgie eingesetzt wird, sind keine großen Hautschnitte erforderlich und es entstehen keine großen Narben.

Der Vorteil einer reduzierten Magenkapazität liegt auf der Hand: Kann der Magen nur wenig Nahrung aufnehmen, stellt sich schon bald ein Sättigungsgefühl ein. Zwischenmahlzeiten entfallen fast ganz.

Auf diese Weise kann man sich auf drei kleine Mahlzeiten am Tag beschränken. „Der kleine Hunger zwischendurch“ entfällt fast ganz, denn das „schwedische Magenband“ bindet auch die Hungerrezeptoren ab. Dennoch reicht die operative Magenverkleinerung allein nicht aus. Erst eine fettarme, ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung stellen den Erfolg einer solchen Operation sicher. Die Motivation und der Wille müssen rundum stimmen. Auch gesteigerte Bewegung ist wichtig.

Magenband – wie es funktioniert

Das verstellbare „schwedische Magenband“ wird durch einen operativen Eingriff um den Magen gelegt und verringert so die Kapazität des Magens. Dadurch kann der Magen weniger Nahrung aufnehmen. Erhält der Körper weniger Nahrung, greift er seine eigenen Fettreserven an, um sich mit der notwendigen Energie zu versorgen. Das Resultat: Gewichtsverlust.

Von allen chirurgischen Verfahren ist diese Methode die einfachste und die mit dem niedrigsten Komplikationsrisiko. Ein großer Vorteil des Bandes liegt darin, dass sein Durchmesser auf die speziellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten eingestellt werden kann. Diese Methode der Mageneinengung hat sich als besonders zuverlässig und effektiv erwiesen und wird weltweit seit fast 20 Jahren erfolgreich eingesetzt. Es ist die verbreiteste Methode in Europa.

Das „schwedische Magenband“ ist aus Silikon. Es wird um den oberen Teil des Magens gelegt und schränkt die Magenkapazität erheblich ein. Da die Öffnung zum Restmagen und zum Verdauungstrakt verkleinert ist, verlässt die im Magen befindliche Nahrung den Magen verzögert und gelangt auch langsamer in den Darm. Deshalb tritt schon bald ein Sättigungsgefühl ein. Die Innenseite des Bandes ist auffüllbar mit einer Flüssigkeit (physiologische Kochsalzlösung). Dieser auffüllbare Teil wird von einem so genannten Reservoir von außen gefüllt. Dieses ca. fünf Cent Stück große Reservoir liegt unter der Haut und ist über einen feinen Schlauch mit dem „schwedischen Magenband“ verbunden. Der Chirurg kann die Flüssigkeitsmenge im Band von außen kontrollieren. Dazu sticht er mit einer dünnen Nadel durch die Haut in das Reservoir. Ist das Band zu eng, zieht der Chirurg einen Teil der Flüssigkeit heraus.

Ist das Band zu locker (wenn Sie zu wenig abnehmen) und engt den Magen nicht genügend ein, kann das Band durch Hinzufügen weiterer Flüssigkeit enger gestellt werden. Für das Auffüllen der Flüssigkeit ist keine Narkose erforderlich. Dies kann in der Ambulanz erfolgen.

Vorbereitung

Vor der Operation muss ein ausführliches Gespräch mit dem Chirurgen, einem Ernährungsmediziner und auch mit einem Psychologen stattfinden. Bei diesen Gesprächen erfahren Sie, was während und nach der Operation geschieht.

Der Chirurg setzt nur dann ein „schwedisches Magenband“ ein, wenn klar ersichtlich ist, dass Sie Ihr Problem mit dem Übergewicht wirklich verstehen und entscheidend verändern wollen. Er wird die Operation erst dann vornehmen, wenn Sie das neue Essverhalten und den veränderten Lebensstil umsetzen wollen und bereit sind, aktiv an der Reduzierung Ihres Gewichts mitzuwirken.

Magenband-OP

Das verstellbare „schwedische Magenband“ wird mit der Schlüsselloch-Chirurgie schonend eingesetzt. Der Chirurg setzt kleine Schnitte in die Bauchwand und führt Hülsen in den Bauch ein. Diese Hülsen sind Einführhilfen für die chirurgischen Instrumente. Eine eingeführte kleine Kamera transportiert ein Video-Bild auf einen Bildschirm damit der Chirurg „sehen“ kann. Die schonende Schlüsselloch-Chirurgie reduziert die Schmerzen nach der Operation auf ein Minimum. Außerdem erholt sich der Patient von der Operation schneller und kann schon nach wenigen Tagen wieder in seinen normalen Alltag zurückkehren.

Verhalten direkt nach der Operation

Nach dem Abklingen der Narkose können Sie ein wenig Schmerzen haben, die wirksam mit Schmerzmitteln gelindert werden. Pflegepersonal und Physiotherapeuten ermutigen Sie, das Bett so bald wie möglich zu verlassen und sich zu bewegen.

Das ist wichtig zur Vorbeugung von Thrombosen, Atemwegsproblemen und Druckgeschwüren. Einen Tag nach der Operation wird der Sitz des schwedischen Magenbandes durch eine Röntgenaufnahme kontrolliert.

 

Ernährung nach der OP

Chirurg und/oder Ernährungsberater beraten Sie, wie Sie künftig essen sollen und macht Sie mit dem veränderten Lebensstil und den neuen Eßgewohnheiten vertraut. Es ist außerordentlich wichtig, dass Sie sich nach der Operation genau an diese Anweisungen für Essen und Trinken halten.

Besonders in den ersten Wochen ist es wichtig, den „kleinen“ Magen über dem Band nicht unnötig zu dehnen, denn die neue Magenstruktur muss sich erst an die veränderte Situation anpassen. Der Anpassungsprozeß dauert rund einen Monat.

Risiken

Eine Operation ist ein Eingriff in den menschlichen Körper. Als Folge können Komplikationen auftreten. In seltenen Fällen kann ein Patient auch sterben. Stark übergewichtige Patienten haben ein höheres Risiko. Dies gilt auch für den chirurgischen Eingriff, um das „schwedische Magenband“ einzusetzen. Auch beim Tragen können bestimmte Komplikationen auftreten, z.B. kann das Band verrutschen.

Komplikationen allgemeiner Art können bei jeder Bauchoperation auftreten, auch beim Einsetzen des „schwedischen Magenbandes“: Lungeninfektionen, Milz- oder Leberschäden, Lungenprobleme, Thrombose und Wundheilungsstörungen. Spezielle Komplikationen in Verbindung mit dem „schwedischen Magenband“ sind Magenperforation während der Operation, Durchrutschen des Magens durch das Band und Magenüberdehnung. Die Überdehnung entsteht, wenn der Patient immer wieder versucht mehr zu essen, als der reduzierte Magen aufnehmen kann. Die übermäßige Nahrungszufuhr dehnt den Magen. Dadurch kann er kippen und die Öffnung blockieren. In ganz seltenen Fällen „wandert“ das Band in den Magen. Die Komplikationen lassen sich normalerweise problemlos korrigieren.