Patientenwegweiser

 

Bevor Sie erstmalig in unserer Klinik vorstellig werden, wird Ihnen ein Patientenfragebogen und Informationsmaterial über die Therapie der Adipositas übersandt. Die Terminvergabe erfolgt in der Regel nicht vor 4 Wochen, damit zunächst ein Ernährungstagebuch geführt werden kann.

 

Da sowohl der vorbehandelnde Arzt als auch Sie auf einem unterschiedlichen Informationsstand sind, sind die Vorstellungen über die Ziele Ihrer Behandlung, nämlich den zu erwartenden Übergewichtsverlust als primären Endpunkt sowie erfolgreiche Therapie der Begleiterkrankungen und Veränderung der Lebensqualität sehr unterschiedlich ausgeprägt. Das erste Gespräch dient also dazu, mögliche Ziele auszuloten und den Weg dahin miteinander abzustimmen.

 

In dem Fragebogen werden neben persönlichen Daten dann die Hauptthemenbereiche

  • Übergewichtsverlauf einschließlich Diäten, Kuren und Behandlungsmaßnahmen
  • bisherige Bewegungstherapie (Sport etc.)
  • bisherige verhaltenstherapeutische Maßnahmen
  • Essgewohnheiten
  • Begleiterkrankungen
  • Medikamente
  • mitbehandelnde Ärzte

abgefragt.

 

Als Anlage ist der Fragebogen beigefügt. Ebenso eine Tabelle zum detaillierten Gewichtsverlauf in Verbindung mit den entsprechenden Diäten sowie der Vordruck zur Erhebung der mitbehandelnden Ärzte.

 

Im Klinikum Niederrhein erfolgt die Zuweisung der in der Regel überregionalen Patienten in eine Spezialsprechstunde, die wöchentlich dienstags von 8:00 bis 13:00 stattfindet. Das Sekretariat Adipositaschirurgie ist von Montags bis Freitags von 8:00 -13:00 Uhr besetzt. Außerhalb dieser Zeiten übernimmt die Ambulanz die Mitbetreuung. Gesteuert wird die Adipositastherapie durch die viszeralchirurgische Klinik. Somit ist wie nach amerikanischem Vorbild das Case Management an die Chirurgie angebunden und wird von dort im Sinne der Mitbetreuung in die Fachabteilungen weitergegeben.

 

Die konkreten Abläufe bis zur Entscheidungsfindung in welchen Therapiearm der Patient eingebracht wird, sind im Folgenden dargestellt.

Erstgespräch

Oberarzt Dr. U. Müller / Prof. Dr. J. Erhard

– Anamnese anhand des Patientenfragebogens

– Diskussion des Ernährungstagebuches der letzten vier Wochen

– Durchsicht der Atteste mitbehandelnder Ärzte

Psychologische Evaluation

  1. Ehlis Dipl.-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

– die Abklärung auf psychologischem Fachgebiet erfolgt unter zur Hilfenahme des Fragebogens zum Essverhalten von Pudel und Westenhöfer

– bei Bedarf wird eine entsprechende Therapie eingeleitet

Internistische und ernährungsmedizinische Vorabklärung

PD Dr. E. Purucker, Chefarzt Med. Klinik V Ev. KH. Dinslaken

– entsprechend einem standardisierten Fragebogen, im Vordergrund steht der ernährungsmedizinische Status und die Überprüfung der bisherigen konservativen Therapie

Integration in die Adipositas Selbsthilfegruppe

Bernd Krüger / Astrid Majdic

– Jeden 1. und 3. Montag im Monat

– Übernahme von Patenschaften für operierte Patienten

Integration in die Sportangebote des Krankenhauses

  • Aquafitness, Gymnastik

Ernährungsberatung

Frau Annette Schmidt, Ev. KH Dinslaken

Diskussion des bisherigen Ernährungsprotokolls

Kontakt für die prae- und postoperativen Termine

Erneute Vorstellung in der Adipositassprechstunde und Diskussion der Befunde:

  • Ernährungsmedizinischer Status
  • Ernährungsanamnese
  • Optimierung der bisherigen Diäten und Analyse der Misserfolge
  • Erneute Analyse eines 4-Wochen-Eßtagebuchs
  • Beurteilung des Essverhaltens
  • Psychiatrisch-psychologische Evaluation inkl. Essstörungen
  • Beurteilung der Bewegungstherapie
  • Anamnese der bisherigen Bewegungstherapie
  • Aktuelle Einschränkungen durch mukoskelettale Erkrankungen
  • Gemeinsame Analyse warum die bisherigen Therapien nicht erfolgreich waren und welche Instrumente einen Erfolg herbeiführen könnten.
  • Interdisziplinäre Therapieentscheidung mit ggf. anschließender Klärung der Kostenübernahme als Einzelfallentscheidung oder alternativer Behandlungsmöglichkeit.

 

Die Indikation zu einem spezifischen Operationsverfahren ergibt sich in der Diskussion aus unterschiedlichen Parametern:

  • Dem Body mass index
  • Den metabolischen Komplikationen der Adipositas
  • Dem Esstagebuch
  • Der Erwartungshaltung des Patienten in Bezug auf die Zielkriterien
  • Übergewichtsverlust
  • Comorbidität
  • Lebensqualität

Die Indikation erfolgt nach dem aktuellen Stand der Publikationen. Den höchsten Stellenwert auch für Deutschland hat die Zeitschrift Obesity Surgery, die monatlich erscheint.

 

Das aktuelle Konzept sieht zur operativen Differentialindikation wie folgt aus:

Stationäre Aufnahme

– speziell ausgestattete Station und OP – Säle für Übergewichtige (Säule bis 270kg)

– speziell geschultes Team im Bereich der Pflege auf der Station 6 der Klinik und für die entsprechenden Operationen in Bezug auf Anästhesie, Op- Pflege, Personal zum Ein- und Ausschleusen

 

Nachuntersuchungen

– die Nachuntersuchungen finden regelhaft statt- Terminvergabe bei Entlassung.

– 6 Wochen postop.

– 3, 6, 9,12, 18, 24, 36,48 Monate postop., dann nach Bedarf.

Als Konsiliarärzte stehen insgesamt 25 Fachabteilungen des Klinikums Niederrhein im Verbund zur Verfügung. Hervorzuheben sind die Abteilungen Kardiologie und Lungen- und Bronchialheilkunde für die Belange der Adipositas.

Eine besondere Kooperation besteht mit der Universität Essen. Diese bezieht sich auf eine gemeinsame Sprechstunde und gemeinsame wissenschaftliche Projekte zur Fettleberzirrhose und Stoffwechselparametern.

Qualitätskriterien

Die Qualitätskriterien durch das Behandlungsteam sind erfüllt. Als spezialisierte Einrichtung sind wir mit der Krankheit Adipositas umfassend vertraut und therapieren in einem multidisziplinären Team.

Wir decken das gesamte Spektrum der bariatrischen Operationen sowie der Revisionseingriffe sowohl laparoskopisch als auch offen ab und können Früh- und Spätkomplikationen entsprechend erkennen und behandeln.

Im Rahmen des Follow-up besteht eine lebenslange Anbindung der Patienten. Die routinemäßige Einschleusung in unser detailliertes Nachsorgeprogramm erfolgt mit der Entlassung der Patienten. Insgesamt betreuen wir nun über 800 Patienten in unserer Sprechstunde. Eine entsprechende Mitgliedschaft in den nationalen und internationalen Fachgesellschaften liegt vor. Diesbezüglich besteht auch eine nationale und internationale Vortragstätigkeit.

Speziell die an das chirurgische Behandlungsteam gestellten Qualitätskriterien werden erfüllt.

Jährlich werden hier zwischen 70 und 100 Operationen zur Behandlung der morbiden Adipositas durchgeführt.

Adipositasspezifische räumliche und gerätetechnische Voraussetzungen für Krankenbett, Stühle, Operationstische werden vorgehalten. Die Dokumentation durch das Baros-System erfolgt.